Wann wird ein Spiel zu Sport?
Es muss nicht die körperliche Arbeit im Vordergrund stehen damit man
die Tätigkeit als Sport bezeichnen kann. Präzision, Konzentration,
Menthale Stärke und Schnelligkeit sind mindestens genau so
“sportlich” wie blinde Ausübung von Kraft oder Ausdauer!
So weit, so gut. Jeder Schachsportler wird Ihnen da direkt zustimmen.
extrem trainierte Feinmotorik und
Hand-Auge-Koordination notwendig, es ist eine hohe Form sowohl der
Präzision als auch der Schnelligkeit.
Extreme Feinmotorik, ok.
Gute Hand-Auge-Koordination? Mal ehrlich, immer wenn diese Worte aus
dem Munde bzw. aus den Fingern eines Computerspielers kommen, wenn er
damit meint, daß er seine doppelt aufgelöste Spezial-Gamer-Maus auf
einem Spezial-Mauspad gekonnt und vor allem reflexartig bewegt, dazu
koordiniert auf der Tastatur eine Handvoll Funktionen und Makros
bedient … finde ich das schon recht geschwollen.
Situationen müssen sofort
korrekt eingeschätzt und Aktionen eingeleitet werden, was hohe
Anforderungen an taktisches und strategisches Denken stellt und sehr
viel Erfahrung voraussetzt.
Ich muss ja immer schon etwas innerlich grinsend, wenn hier im
Heise-Newsticker Meldungen über Spitzen-Schachspiele kommen. Der
Mensch, der tief in der Materie drin steckt, wird mit den Begriffen
und Schilderungen, die dort verwendet werden, etwas anfangen können.
Der Durchschnitts-Leser, der (wie ich) mit “ich kann Schach spielen”
nicht mehr und weniger meint, daß er die Regeln kennt und diese
anzuwenden vermag, fühlt sich aber doch regelmässig an Kriegsberichte
erinnert.
Nun zu Deinen Aussagen über E-Sport. Und ich nehme der Einfachheit
halber an dieser Stelle mal an, daß Du Dich auf das Genre der
E-Shooter beziehst.
Ich habe von 1986 bis ca 1998 sehr viel Computer gespielt, alle
möglichen Sachen. Natürlich auch Shooter, so auch CounterStrike Beta
bis 6.6. Und eine Zeitlang (erfolglos
in der RTWC-Liga.
Die Argumentation “Situationen korrekt einschätzen, taktisches und
strategisches Denken etc.” sind mir nicht unbekannt.
Weisst Du, warum diese Argumentation immer wieder Unverständnis
hervorruft? Warum hier im Thread und auch sonst in den meisten Teilen
der Bevölkerung wenig Respekt und Begeisterung für “E-Sportler”
aufkommt?
Stecke eine Handvoll gute Leute in ein Team, und eine deutlich
größere Menge nicht so guter Leute in das andere Team. Lasse das
größere Team mit nicht so guten Leuten anweisen von “Profis”. Sie
werden trotzdem verlieren. An der Strategie liegt es nicht. An der
Umsetzung, wirst Du sagen. Richtig, aber auch nur an einem Punkt, und
das ist es worauf sich alle Shooter nämlich beschränken: die Reflexe.
Auf nichts anderes kommt es an. Puste den anderen schneller um, als
er Dich.
Klar, wenn man dann noch blind alle Levels ablaufen und Items und
Medipacks im Schlaf aufsammeln kann, ist das ein Bonus, um bei der
nächsten Situation “Töte den anderen schneller als er Dich” die
Erfolgschancen zu erhöhen. Aber das Wort “Training” und “Lernen” wird
hier wie auch sonst von E-Sportlern regelmässig zu lesen für eine
Tätigkeit mißbraucht, die man bei differenzierter Betrachtung
bestenfalls als “Auswendig Lernen” und “Reflexe einüben” bezeichnen
darf.
Du verstehst, worauf ich hinaus will? Es gibt verschiedene Levels von
Leistung, von Lernen, von Training, .. von Strategie, Reflexen und
von Hand-Auge-Koordination. Und qualitativ und leistungstechnisch ist
das bei “E-Sportlern” vorhandene Niveau der letztgenannten Begriffe
deutlich niedriger als bei den “klassischen” Sportarten.
Ich habs persönlich auch nicht so mit Schach, aber ich behaupte, daß
ein guter Schachspieler die Begriffe Taktik und Strategie
(buchstäblich) in einer Tiefe lebt und anwendet, wie sie ein
Weltklasse-Shooter nie begreifen wird.
Ich bewerte die Hand-Auge-Koordination eines gekonnten
Air-Hockey-Spielers höher, als die eines Spielers, der schnell und
reflexartig Headshots verteilen kann. Ebenso die eines Rennfahrers,
der seinen Körper ein Rennen lang mächtigen Beschleunigungen aussetzt
und der trotzdem mit der Präzision eines Uhrmachers Bremspunkte
erwischen und die Linie halten muss.
Ein Badminton-Spieler (ich habe viele Jahre Badminton immhin bis auf
Landesliga gespielt) vereint hohe körperliche Leistungen (Ausdauer,
Schnellkraft) mit Hand-Auge-Koordination (Schlagtechnik, Präzision)
und Taktik/Strategie (Anwendung von Schlagarten unter
Berücksichtigung von Spielphase, eigener und gegnerischer Fähigkeiten
und Konstituion) .. sogar eine Menge Psychologie ist im Spiel.
Auf die meisten Ballsportarten würde sich das soeben über Badminton
geschriebene 1:1 übertragen lassen.
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